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Bluttests für Ausdauersportler: Was ist sinnvoll?

23. Juni 2026

Blutwerte im Ausdauersport: Messen, verstehen, besser trainieren

Wer regelmässig trainiert, fordert seinen Körper in einer Weise, die sich nicht nur in Leistungsdaten, sondern auch im Blutbild widerspiegelt. Viele Athleten kennen ihre Schwellenleistung, ihre Herzfrequenzzonen oder ihre FTP bis auf das Watt genau, haben jedoch keine Ahnung, wann ihr Eisenprofil zuletzt überprüft wurde. Genau hier kommt ein gut geplanter Bluttest ins Spiel: Er zeigt, ob Training, Ernährung und Regeneration im Gleichgewicht sind oder ob sich unbemerkt ein Defizit aufbaut, das langfristig die Leistung bremst oder sich negativ auf die Gesundheit auswirkt.

Regelmässige Bluttests sind kein Selbstzweck und auch kein Ersatz für ärztliche Betreuung, aber sie sind ein wertvolles Werkzeug, um Trends frühzeitig zu erkennen. Ein einzelner Wert sagt oft wenig aus; erst die Entwicklung über mehrere Messungen hinweg liefert echte Erkenntnisse. Deshalb lohnt es sich, Bluttests als festen Bestandteil der Saisonplanung zu betrachten, ähnlich wie einen Leistungstest, nur eben mit der Nadel statt mit dem Ergometer.

Die wichtigsten Marker im Überblick

Nicht jeder Bluttest ist für Ausdauersportler gleich relevant. Ein vollständiges grosses Blutbild ist sinnvoll, aber es gibt eine Handvoll Marker, die für die sportliche Leistungsfähigkeit und die langfristige Gesundheit besonders aussagekräftig sind. Im Zentrum steht meist das Eisenprofil, weil ein latenter Eisenmangel, auch ohne Anämie, die Sauerstofftransportkapazität und damit die aerobe Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Daneben liefert das grosse Blutbild (Hämoglobin, Hämatokrit, Erythrozyten) wichtige Hinweise auf die Sauerstoffträgerkapazität, während Ferritin als Speichereisen-Marker oft schon Wochen vor einem klinisch spürbaren Mangel absinkt.

Vitamin D verdient besondere Aufmerksamkeit, da es nicht nur den Knochenstoffwechsel, sondern auch die Immunfunktion und die Muskelregeneration beeinflusst. Gerade in den Wintermonaten in Mitteleuropa liegt der Wert häufig im unteren Bereich oder sogar im Mangel.

Der Vitamin-B12- und Folsäurestatus ist relevant für die Blutbildung und das Nervensystem, besonders bei Athletinnen und Athleten mit reduziertem Fleischkonsum oder vegetarischer Ernährung.

Die Schilddrüsenwerte (insbesondere TSH) geben Auskunft über den Stoffwechsel und können bei chronischer Überlastung oder ungewöhnlicher Müdigkeit aus dem Gleichgewicht geraten.

Abgerundet wird das Profil sinnvollerweise durch CRP (C-reaktives Protein) als Entzündungsmarker, der Hinweise auf systemische Entzündungsprozesse oder ein Übertrainingssyndrom liefern kann, sowie durch die Kreatinkinase (CK), die die muskuläre Belastung und Regeneration nach intensiven Trainingsblöcken oder Wettkämpfen widerspiegelt.

dt Test Summary

Eine nüchterne Blutentnahme (meist 10–12 Stunden ohne Nahrung) ist vor allem für das Eisenprofil sinnvoll, da Nahrungsaufnahme die Werte leicht verfälschen kann. Für die übrigen Marker ist Nüchternheit nicht zwingend, aber aus organisatorischer Sicht praktisch, da viele Labore ein Komplettprofil in einer Blutentnahme anbieten.

Brauchen Frauen und Männer andere Tests?

Für Frauen ist das Eisenprofil besonders wichtig, da die monatliche Menstruation einen zusätzlichen Eisenverlust bedeutet und Eisenmangel bei Ausdauersportlerinnen deutlich häufiger vorkommt als bei Männern. Auch der Ferritin-Zielbereich wird bei Athletinnen oft höher angesetzt als der reine “Normwert” der Allgemeinbevölkerung suggeriert. Bei Männern stehen eher die Marker für muskuläre Belastung (CK) und gelegentlich der Testosteronspiegel im Fokus, besonders bei Anzeichen von Übertraining, Leistungsstagnation oder ausbleibender Erholung. Beide Geschlechter profitieren zudem von einer regelmässigen Kontrolle der Vitamin-D- und B12-Werte, da diese unabhängig vom Geschlecht häufig im Grenzbereich liegen.

Haben Athleten andere Zielwerte als die Allgemeinbevölkerung?

Ausdauersportler unterscheiden sich in mehreren Punkten von der Norm-Referenzbevölkerung. Das Ferritin sollte bei Athletinnen und Athleten idealerweise über 50–60 µg/l liegen, während die Labor-Referenz oft schon ab 15–20 µg/l als “normal” gilt – ein Wert, der für Ausdauersportler bereits ein Leistungsrisiko darstellt. Auch das Hämoglobin kann durch das sogenannte “Sportleranämie”-Phänomen (Plasmavolumenexpansion durch Training) leicht niedriger ausfallen, ohne dass dies ein echtes Problem darstellt – hier ist der Kontext entscheidend. Die Ruhe-Herzfrequenz und gewisse Cholesterinwerte liegen bei gut trainierten Athleten häufig günstiger als der Bevölkerungsdurchschnitt, was bei der Interpretation der Laborwerte berücksichtigt werden sollte, damit nicht unnötig in einen “gesunden” Wert eingegriffen wird.

Was Master-Athleten zusätzlich testen sollten

Mit zunehmendem Alter gewinnen einige zusätzliche Parameter an Bedeutung. Dazu gehören ein erweitertes Lipidprofil (LDL, HDL, Triglyceride, ggf. Lp(a)) zur Beurteilung des kardiovaskulären Risikos, der Nüchternblutzucker bzw. HbA1c zur Früherkennung von Insulinresistenz, sowie regelmässige Nieren- und Leberwerte, da diese Organe die Trainingsbelastung mit dem Alter weniger kompensieren können. Bei Männern über 40 kann zudem ein Testosteron-Check sinnvoll sein, bei Frauen in der Perimenopause empfiehlt sich eine Kontrolle der Hormonwerte (Östrogen, FSH) in Kombination mit Vitamin D und Knochenstoffwechsel-Markern, da das Osteoporoserisiko ansteigt. Ein jährliches Ruhe-EKG oder eine kardiologische Abklärung ist für Master-Athleten mit hoher Trainingsbelastung ebenfalls empfehlenswert, auch wenn dies kein klassischer “Bluttest” ist.

Welche Lebensstil-Massnahmen fördern optimale Blutwerte

Die gute Nachricht: Die meisten dieser Werte lassen sich gut über Ernährung, Schlaf und Trainingssteuerung beeinflussen. Ausreichender Schlaf (7–9 Stunden) unterstützt die Erythropoese und das Immunsystem, während chronischer Schlafmangel CRP und Cortisol erhöhen kann. Eine eisenreiche Ernährung mit Vitamin-C-reichen Begleitstoffen zur besseren Aufnahme, regelmässige Sonnenexposition oder eine gezielte Vitamin-D-Supplementation in den Wintermonaten, sowie eine ausreichende Energiezufuhr (kein chronisches Energiedefizit, das sogenannte RED-S begünstigt) sind zentrale Bausteine. Auch eine durchdachte Trainingsperiodisierung mit klaren Regenerationsphasen reduziert das Risiko erhöhter Entzündungsmarker und CK-Werte nachhaltig.

Die beste Massnahme gegen schlechte Blutwerte ist meist nicht ein Supplement, sondern eine bessere Trainings- und Schlafplanung und eine ausgewogene Ernährung.

dt Tages Menu

Hier kannst du einen Beispiel Wochenplan mit Vorschlägen zur gesunden Ernährung sowohl für Mischkost als auch für Vegetarier runterladen.

 

Supplements

Bringen Nahrungsergänzungsmittel etwas?

Für die meisten gesunden Menschen liefern Nahrungsergänzungsmittel weit weniger Nutzen als die Werbung verspricht. Sie sind häufig ein hervorragendes Geschäft für die Hersteller, deren Branche Milliarden umsetzt, während der gesundheitliche Mehrwert vieler Produkte wissenschaftlich nur schwach belegt ist.

Es gibt aber einige, die wissenschaftlich gut abgestützt sind. Vitamin D3 (oft in Kombination mit Vitamin K2) ist bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll, besonders im Winterhalbjahr in Mitteleuropa. Eisenpräparate sollten ausschliesslich bei nachgewiesenem Mangel und nach ärztlicher Abklärung eingenommen werden, da eine unnötige Eisenzufuhr auch Risiken birgt (oxidativer Stress, Eisenüberladung). Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) zeigen in Studien positive Effekte auf Entzündungsmarker und Erholung. Vitamin B12 ist vor allem für Athletinnen und Athleten mit pflanzenbasierter Ernährung relevant. Magnesium kann bei nachgewiesenem Mangel oder häufigen Krämpfen unterstützend wirken, sollte aber nicht pauschal “auf Verdacht” hochdosiert werden.

Grundsätzlich gilt: Supplemente ersetzen keine ausgewogene Ernährung, sondern ergänzen sie gezielt bei nachgewiesenem Bedarf.

Fazit

Ein gezieltes Blutbild ist für Ausdauersportler mehr als eine Momentaufnahme; es ist ein Frühwarnsystem für Übertraining, Mängel und gesundheitliche Risiken, die sich sonst erst durch Leistungseinbussen bemerkbar machen würden. Wer seine Werte ein- bis zweimal pro Jahr kontrollieren lässt, kann frühzeitig reagieren, gezielt anpassen und langfristig sowohl gesünder als auch leistungsfähiger trainieren.

 

 

Haupt Quellen (Auswahl)

  • Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey DM, et al. 2023 International Olympic Committee’s (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med. 2023;57(17):1073–1097.
  • USA Triathlon. Iron Strength: What Endurance Athletes Should Know About Iron Deficiency Anemia and Ferritin Screening.org
  • The IRONy in Athletic Performance. PMC, National Library of Medicine (NIH), PMC10708480.
  • DellaValle DM, Haas JD. Impact of Iron Depletion without Anemia on Performance in Trained Endurance Athletes at the Beginning of a Training Season. Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2011;21(6):501–506.
  • Mielgo-Ayuso J, et al. Iron Deficiency in Athletes: Insights for Sports Nutrition. European Society of Medicine (esmed.org).
  • World Health Organization (WHO). Referenzwerte für Hämoglobin- und Ferritinkonzentrationen zur Definition von Anämie und Eisenmangel.